Was Mary (vielleicht) nicht wusste – Frank Cameron Jackson über den Physikalismus und Qualia

Einleitung

In unserer alltagspsychologischen Auffassung gehen wir gemeinhin von einer physischen Welt aus, die sowohl unbelebte Dinge wie Steine oder Tische als auch belebte Dinge wie Pflanzen, Tiere und Menschen enthält. Außerdem schreiben wir darüber hinaus bestimmten Dingen, in jedem Fall aber dem Menschen, mentale (oder: psychische) Eigenschaften oder Fähigkeiten zu.

Historisch betrachtet sind die Entitäten der physischen Welt und ihr Verhältnis zueinander vornehmlich Gegenstand der (Natur-)Wissenschaften – allen voran der Physik, Chemie und Biologie. Die Frage nach der Natur des Mentalen (oder: Geistes) dagegen war primär Angelegenheit der Philosophie des Geistes. Vor dem Hintergrund des nicht zu leugnenden (pragmatischen) Erfolgs der Naturwissenschaften etablierte sich ausgehend von Mitgliedern des Wiener Kreises in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter dem Schlagwort Physikalismus eine Strömung verschiedener philosophischer Positionen, wonach der Geltungsbereich der Naturwissenschaften auf den Geist ausgedehnt werden sollte. Was Mary (vielleicht) nicht wusste – Frank Cameron Jackson über den Physikalismus und Qualia weiterlesen

Körper-Seele-Konzepte weiblicher Denkerinnen im 17. Jahrhundert

Einleitung

Die traditionelle Philosophiegeschichte im Allgemeinen und die Leib-Seele-Debatte im Besondern sind weitgehend patriarchalisch geprägt. Erst seit Ende des 20. Jahrhunderts kommt es zu einer breiteren Rezeption weiblicher Denkerinnen. Im Rahmen dieser Arbeit wird das Denken von Anne Conway, Elisabeth von der Pfalz und Marie de Gournay kurz skizziert. Anhand dieser Beispiele wird deutlich, wie Frauen sich ab dem 17. Jahrhundert sichtbarer am philosophischen Diskurs beteiligt haben – insbesondere im Kontext der Körper-Geist-Debatte, die durch René Descartes zu jener Zeit neu angestoßen wurde.

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Ludwig Wittgensteins sogennantes Hauptproblem im Tractatus-logico philosophicus

1 Einleitung

Ludwig Wittgenstein gehört zu den bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. In seinem Frühwerk, dem Tractatus logico-philosophicus (im Folgenden kurz: Tractatus), unternimmt Wittgenstein einen originellen Versuch, zentrale Probleme und Fragen der Philosophie zu lösen. Im Vorwort des Tractatus zeigt er sich davon überzeugt, „die Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben“. Die vermeintliche Lösung sieht Wittgenstein in Logik und (sprachlicher) Repräsentation (Biletzki & Matar, 2014). Wittgenstein will dem „Denken eine Grenze ziehen“ (TLP, S. 7). Da für eine solche Grenzziehung jedoch beide Seiten der Grenze gedacht werden müssten (und damit also auch jenes, was sich nicht denken lässt), kann die Grenze nach Wittgenstein „nur in der Sprache gezogen“ werden (TLP, S. 7). Er entwickelt im Zuge dessen eine Abbildtheorie der Sprache und vollzieht anhand dieser eine Unterscheidung zwischen dem Sagbaren und dem nur Zeigbaren.

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Gottlob Frege über „Sinn und Bedeutung“

1 Einleitung

Sprache ist schon seit der Antike Gegenstand philosophischer Betrachtung wie zum Beispiel in Platons Dialog Kratylos. Sprachphilosophie hat sich jedoch erst im 20. Jahrhundert, insbesondere infolge der Linguistischen Wende etabliert (Bertram, 2011, S. 17). Ein Wegbereiter für die analytische Philosophie und insbesondere die moderne Sprachphilosophie ist (Friedrich Ludwig) Gottlob Frege. Freges Aufsatz Über Sinn und Bedeutung von 1892 gilt inzwischen als Klassiker der Sprachphilosophie. In diesem Artikel möchte ich die wesentlichen Gedanken Freges Über Sinn und Bedeutung (Frege, 1892) und Einwände dagegen nachzeichnen.

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Der Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch in der Pyrrhonischen Skepsis

1 Einleitung

Der Pyrrhonismus ist neben der Akademischen Skepsis eine der zwei skeptischen Schulen der Antike (u.a. Striker 1981, Vogt 2011). Sextus Empiricus stellt in seiner Darstellung des Grundriß der pyrrhonischen Skepsis diesen beiden skeptischen Schulen die Dogmatiker entgegen (Sextus 2008, [I, 2-4]). Dabei vollzieht Sextus die Unterscheidung der zeitgenössischen philosophischen Strömungen anhand der erkenntnistheoretischen Grundhaltung der jeweiligen Vertreter: die Dogmatiker seien der Überzeugung, das Wahre gefunden zu haben, die Akademiker hielten das Wahre für unerkennbar und die Skeptiker seien noch auf der Suche. Sextus grenzt damit die Pyrrhoneer als „wahre“ Skeptiker von den Akademikern ab, obwohl letztere durchaus skeptische Argumente verwenden (Sextus 2008, [I, 220-235]).

In diesem Essay möchte ich untersuchen, inwiefern die Teilnahme pyrrhonischer Skeptiker an einem rationalen, wissenschaftlichen Diskurs im Einklang mit deren Überzeugung überhaupt möglich ist und nicht doch einen „pyrrhonischen Dogmatismus“ offenbart. Anders formuliert: Wie können Pyrrhoneer in einen rationalen Diskurs eintreten und Argumente kommunizieren, ohne sich dabei performativ selbst zu widersprechen?

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